LG Tübingen, Urteil vom 13.10.2006, Az. 20 O 36/06 hatte zu beurteilen, ob Quarz in kristalliner Form (Sand) eine für Menschen zum Verkehr geeignete Substanz darstellt.

Dies lehnten die Tübinger Richter ab und führten in ihrer Entscheidung wörtlich aus:

„Quarz in kristalliner Form ist nach den Begriffsbestimmungen des LMGB ein Lebensmittel-Zusatzstoff im Sinne des § 2 Abs. 3 LMBG. Er wird üblicherweise nicht als Lebensmittel verzehrt und ist weder eine charakteristische Zutat eines Lebensmittels noch wird er einem solchen beim Herstellen und Behandeln zugesetzt. Er darf deshalb in einem Lebensmittel bzw. einem Nahrungsergänzungsmittel als Zusatzstoff nur enthalten sein, wenn er als Lebensmittel-Zusatzstoff zugelassen ist (vgl. §§ 2 Abs. 3 S. 1 iVm. S. 2 Nr. 1, 6 Abs. 1 Nr. 1 a LMBG). Davon ausgenommen sind gem. § 2 Abs. 3 S. 2 Nr. 1 LMBG nur solche Stoffe, die natürlicher Herkunft oder den natürlichen chemisch gleich sind und nach allgemeiner Verkehrsauffassung überwiegend wegen ihres Nähr-, Geruchs- oder Geschmackswertes oder als Genussmittel verwendet werden. Das trifft auf Quarz nicht zu.“

Und Weiter:

„Bei der Herstellung eines Nahrungsergänzungsmittels sind gem. § 3 Abs. 1 und 2 NemV nur die in den jeweiligen Anlagen aufgeführten sonstigen Stoffe als Zusatzstoffe zugelassen. Dazu gehört Quarz in kristalliner Form ebenfalls nicht. …Werbung und Inverkehrgabe der „M.-A.“-Kapseln verstoßen somit gegen § 6 Abs. 1 Nr. 1 a) LMBG. Darin liegt auch ein Verstoß gegen §§ 3, 4 Nr. 11 UWG, weshalb der Verfügungsbeklagten Werbung und Vertrieb dieser Kapseln zu untersagen sind. Sie sind als Nahrungsergänzungsmittel nicht verkehrsfähig. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es sich bei dem enthaltenen Quarz in kristalliner Form um einen Bestandteil der Grundsubstanz oder um eine aus dem Herstellungsprozess stammende Zutat handelt. Es kommt ferner nicht darauf an, ob der Verzehr gesundheitsschädlich ist, wie es die Auffassung des Verfügungsklägers ist. Bei der in Betracht kommenden Art des Verzehrs und der – auch bei einem Gehalt von 5-10% – immer noch geringen Menge hält das Gericht den Verzehr von Quarz in kristalliner Form eher für gesundheitlich unbedenklich. Eine erhebliche Fremdkörperreaktion im Darm ist unwahrscheinlich, noch unwahrscheinlicher eine Silikose durch Inhalation und eine offenbar für diesen Fall diskutierte kanzerogene Wirkung. Jedenfalls ist die Gesundheitsschädlichkeit nicht hinreichend glaubhaft gemacht.“